Hier findet ihr meine Lieblingsgedichte – von meinen eigenen mal abgesehen, die sind natürlich noch viel besser! 
Ich denke es sind Gedichte die es Wert sind, sie zu lesen und zum Denken anregen!
Viel Goethe und Fried.
Als mein Vater
mich zum ersten Mal fragte,
was ich mal werden will
sagte ich nach kurzer Denkpause
„Ich möchte einmal glücklich werden!“
Da sah mein Vater sehr unglücklich aus
Aber dann bin ich doch was anderes geworden
Und alle waren mit mir zufrieden.
L. Rauner
Freunde
In glücklichen Tagen ist niemand allein,
da stürmen die Freunde zur Tür herein
und feiern mit dir voll Übermut.
Dann glaubst du wirklich sie meinen es gut.
Bedenke, es kommen auch schwere Zeiten,
erfüllt von Krankheit, Sorge und Not.
Dann werden die „Freunde“ dich nicht mehr geleiten,
die Treue versprochen, bis in den Tod.
Sie kommen nie zurück,
denn dich verließen ja Wohlstand und Glück.
Doch gäb´ es nur einen, der bei dir bliebe,
dann gibt es den Glauben an
Freundschaft und Liebe!
Jessica Mey
Ein bisschen mehr Freude und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bischen mehr Liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit, das wäre was!
Nur Luft und Licht
und Freundeslieb!
Ermüde nicht,
wem dies noch blieb.
Goethe
Ein Blumenglöckchen
vom Boden hervor
war früh gesprosset
in lieblichem Flor;
Da kam ein Bienchen
und naschte fein: -
die müssen wohl beide
füreinander sein.
Goethe
Was dem Auge dar sich stellet,
sicher glauben wirs zu schaun;
was dem Ohr sich zugesellet,
gibt uns nicht ein gleich Vertraun.
Darum deine lieben Worte
haben oft mir wohl getan;
Doch ein Blick am rechten Orte,
übrig lässt er keinen Wahn.
Goethe
Wie das Gestirn,
ohne Hast,
aber ohne Rast,
drehe sich jeder
um seine eigene Last.
Goethe
ICH
Ich suche mich selbst in tausend Spiegeln,
die ihr mir anbietet,
und finde doch darin nur Bilder,
die nicht meine Seele sind.
Ich versuche mich selbst in all den Sätzen,
die ihr sagt herauszuhören,
und spüre darin; doch nur die Fragen,
die meine Vorstellungen nicht wiedergeben.
Ich versuche mich festzuhalten und zu begreifen
in dem, was ich tue.
Doch bleiben nur Spuren,
denen ich bereits entwichen bin.
Unbekannt
Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern, wo man verstanden wird.
Christian Morgenstern
Wer nie sein Brot in Tränen aß,
wer nie in kummervollen Nächten
auf seinem Bette weinend saß,
der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.
Goethe
Das Leben ist die wahre Schule der Bildung,
nicht das Buch.
Michael Entz
Gott gebe mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann;
den Mut,
Dinge zu ändern,
die ich ändern kann;
und die Weisheit,
das eine vom anderen zu unterscheiden.
Friedrich Christoph Oetinger
Ich sah einen kleinen Jungen,
der trug ein Licht.
Ich fragte ihn:
„Wo ist denn das Licht her?“
Da blies er es aus und fragte zurück:
„Kannst du mir jetzt sagen, wo es nun hingegangen ist?“
Hassan v. Basra
Herrschaftsfreiheit
Zu sagen
>> Hier
herrscht Freiheit <<
ist immer
ein Irrtum
oder auch
eine Lüge:
Freiheit
Herrscht nicht!
Erich Fried
Wo lernen wir?
Wo lernen wir leben
und wo lernen wir lernen
und wo vergessen
um nicht nur Erlerntes zu leben?
Wo lernen wir klug genug sein
die Fragen zu meiden
die unsere Liebe nicht einträchtig machen
und wo
lernen wir ehrlich genug sein
trotz unserer Liebe
und unserer Liebe zu liebe
die Fragen nicht zu meiden?
Wo lernen wir
uns gegen die Wirklichkeit wehren
die uns um unsere Freiheit
betrügen will
und wo lernen wir träumen
und wach sein für unsere Träume
damit etwas von ihnen
unsere Wirklichkeit wird?
Erich Fried
Humorlos
Die Jungen
werfen
zum Spaß
mit Steinen
nach Fröschen
Die Frösche
sterben
im Ernst
Erich Fried
Die Gleichungen
Ich verlerne
was ich gelernt habe
in der Schule
Zukunft
durch Angst
ist vergessen
Leben
durch Angst
ist Irrsinn
Vergessen
durch Irrsinn
ist Krieg
Ich weiß noch
das heißt dann
Angst mal Irrsinn ist Leben
Ich weiß auch noch
das heißt
Angst mal Vergessen ist Zukunft
Aber ich weiß nicht
was für eine Zukunft
das ist
Und was ist Angst
mal Angst?
Und was ist dann Friede?
Wir haben als Kinder
doch rechnen gelernt.
Wozu?
Erich Fried
Die Zeit der Steine
Die Zeit der Pflanzen
dann kam die Zeit der Tiere
dann kam die Zeit der Menschen
nun kommt die Zeit der Steine
Wer die Steine reden hört
weiß
es werden nur Steine bleiben
Wer die Menschen reden hört
weiß
es werden nur Steine bleiben
Erich Fried
Verschlechterung
Der singen wollte
will nur noch sprechen
Der sprechen wollte
will nur noch klagen
Der Klagen wollte
will nur noch weinen
Der weinen wollte
will nur noch schlafen
Der schlafen wollte
will nur noch sterben
Der sterben wollte
will nur noch
einen von denen
mitnehmen
Erich Fried
Ein schlechter Schüler
Das Leben
hat mich gelehrt
daß ich es
nicht verstehe
und nichts von ihm
lernen kann
und lernen will
am allerwenigsten
mich selbst
und den Tod
zu verstehen
Erich Fried
Gib auf
Der Traum
lebt
mein Leben
zu Ende
Rose Ausländer
Ich bin
schon lange verschollen
doch
ich lebe immer noch
in einem
verlorenem Zimmer
und spiele
mit Worten
wie ein
törichtes Kind
Rose Ausländer
Sein
Manchmal kenn ich mich
ich glaube auch manchmal so zu sein,
wie man mich sieht
mich vielleicht deshalb so zu benehmen,
weil es genau so von mir erwartet wird.
Aber manchmal, da ist es, als würd ich mich
gegen meinen eigenen Willen benehmen
entgegen dem,
wie es von mir erwartet wird.
Und so komme ich nicht umhin zu glauben,
dass ich anders bin,
als alle andern glauben,
womit ich überhaupt nicht mehr weiß,
wie ich bin.
Johann Siegel
Welcher Engel wird uns sagen, daß das Leben weitergeht?
Welcher Engel wird wohl kommen, der den Stein vom Grabe hebt?
Wirst du für mich - werd ich für dich der Engel sein?
Welcher Engel wird uns zeigen, wie das Leben zu bestehn?
Welcher Engel schenkt uns Augen, die im Keim die Frucht schon sehn?
Wirst du für mich - werd ich für dich der Engel sein?
Welcher Engel öffnet Ohren, die Geheimnisse verstehn?
Welcher Engel leiht uns Flügel, unsern Himmel einzusehn?
Wirst du für mich - werd ich für dich der Engel sein?
Wilhelm Willms